
Der âTankrabattâ kommt wieder. Diesmal gilt die Preissenkung sogar drei Monate lang. Das sind gute Nachrichten fĂŒr Autofahrer, Spediteure und Landwirte. Es gibt aber auch Kritik an der MaĂnahme.
Die hohen Spritpreise werden fĂŒr drei Monate durch einen staatlich subventionierten âTankrabattâ gedrĂŒckt. Nach dem Bundestag gab auch der Bundesrat grĂŒnes Licht fĂŒr die Entlastung.
Im Bundestag stimmten bei einer namentlichen Abstimmung 434 von 562 Bundestagsabgeordneten dafĂŒr und 128 dagegen. Der Bundesrat verzichtete darauf, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Damit das Gesetz wie geplant zum 1. Oktober in Kraft tritt, bedarf es nun noch der Unterzeichnung durch BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier.
Mit dem Gesetz wird die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um 14,04 Cent je Liter gesenkt. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich insgesamt eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Beim Staat wird dadurch mit SteuerausfÀllen von bis zu 2,5 Milliarden Euro gerechnet, die Bund und LÀnder je zur HÀlfte tragen wollen.
Mineralölwirtschaft wird zu nichts verpflichtet
Union und SPD hatten sich nach einer AnkĂŒndigung von Kanzler Friedrich Merz Mitte September auf ein Entlastungspaket geeinigt. Um den âTankrabattâ schnell starten zu können, wurden die Steuerregelungen im Bundestag an ein Vorhaben angehĂ€ngt, das schon zur Abstimmung anstand - das Versicherungs-Sanierungs-Abwicklungs-und-AufsichtsĂ€nderungs-Gesetz.
Eine Verpflichtung fĂŒr die Mineralölwirtschaft, die Steuersenkung voll an die Tankstellenkunden weiterzugeben, enthĂ€lt die Regelung nicht - die Erwartung machte die Koalition aber klar. Union und SPD haben darĂŒber hinaus nun auch einen âSpritpreisdeckelâ verabredet, der den Spielraum fĂŒr Preiserhöhungen begrenzen soll. Kommen soll dies als Kriseninstrument aber erst Anfang 2027.
âDas beste schnell verfĂŒgbare Instrumentâ
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, der âTankrabattâ sei zwar keine ideale Lösung. Die Regierung könne aber nicht die Augen davor verschlieĂen, dass viele Autofahrer und kleinere Betriebe unter erheblichem Druck stĂŒnden. Ihr sei wichtig gewesen, dass die LĂ€nder nicht nur Entlastungen forderten, sondern auch einen Beitrag leisteten. âDas geschieht jetztâ, so die CDU-Politikerin.
Der CDU-Finanzpolitiker Stefan Korbach sagte, hohe Preise trĂ€fen private Haushalte und belasteten Betriebe. Der âTankrabattâ wirke âsofortâ an der ZapfsĂ€ule und könne ĂŒberdies die Inflation dĂ€mpfen. Zwar sei die MaĂnahme lediglich ein âPflasterâ, das nicht die Ursache heile - fĂŒr die aktuelle Lage sei sie jedoch das beste verfĂŒgbare Instrument.
Der SPD-Fraktionsvize Armand Zorn sprach in der Parlamentsdebatte von einer âharten Diskussionâ. Die Entscheidung fĂŒr einen âTankrabattâ werde jedoch angesichts der massiv gestiegenen Preise fĂŒr Diesel und Benzin sofort Entlastungswirkung im Alltag der Menschen zeigen.
Kritik aus der Opposition
Deutliche Kritik kam aus der Opposition von GrĂŒnen, Linkspartei und AfD. GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Dröge nannte die vorĂŒbergehende Steuersenkung âeine Schwachsinnslösungâ. Er sei schon im Mai und Juni nicht vollstĂ€ndig weitergegeben worden und koste so viel wie die Summe, die alle KĂŒrzungen von Familienleistungen im Bundeshaushalt fĂŒr ein Jahr ausmachten.
Der AfD-Wirtschaftspolitiker Leif-Erik Holm sagte, der Staat sei selbst Profiteur der hohen Tankstellenpreise. Der Rabatt sei ein Trostpflaster und keine Lösung. âDie ohnehin zu hohen staatlichen Abgaben auf Kraftstoffe mĂŒssen dauerhaft runter.â Auch die Vorgabe, dass Tankstellen nur einmal am Tag um 12 Uhr die Preise anheben dĂŒrfen, helfe nicht: âDie Regel hat die Preise nicht gesenkt, sondern erhöht und gehört abgeschafft.â
Forderungen aus den BundeslÀndern
Aus den LĂ€ndern kommen Forderungen nach einem umfassenderen Vorgehen gehen hohe Energiepreise. Der âTankrabattâ sei wichtig fĂŒr die Menschen, sagte Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig im Bundesrat. âAber es wird nicht reichen. Der Sprit muss nach meiner Auffassung wieder unter zwei Euro.â Es brauche den Spritpreisdeckel und eine Steuer auf âextrem maximierteâ Konzerngewinne, so die SPD-Politikerin. Eine Demokratie bleibe nur stabil, wenn die Menschen spĂŒrten, dass der Staat sie unterstĂŒtze.
ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt sagte ebenfalls, der Spritpreis mĂŒsse wieder unter zwei Euro pro Liter. Der CDU-Politiker forderte zudem einen ganzheitlichen Ansatz und betonte: âDie Energiepolitik ist die soziale Frage in dieser Zeit.â Es brauche, anders als mit dem Ende des âTankrabattsâ und nun dem erneuten Start, âVerlĂ€sslichkeit statt Stop and Goâ. Voigt forderte ein Aussetzen der nationalen CO2-Bepreisung fĂŒr Kraftstoffe in der aktuellen Hochpreisphase.
Der CSU-Chef und bayerische MinisterprĂ€sident Markus Söder sagte, es brauche ein âgroĂes Paketâ. Es könne nicht sein, dass die deutsche Politik alle drei Monate hin und her schwanke, ob sie eingreife oder nicht. Nötig sei eine Regelung auf Dauer.
Söder forderte: âWir mĂŒssen ĂŒber die CO2-Bepreisung und alle Preisregeln sprechen, die Energie in Deutschland staatlich teurer machen.â Richtig sei auch, âInstrumente, die nicht funktioniert haben, zu beerdigenâ. Die Regel, dass Tankstellen nur einmal am Tag um 12 Uhr die Preise anheben dĂŒrfen, habe keine Entlastung gebracht.
Experten bemÀngeln fehlende Anreize zum Spritsparen
Vorab hatten mehrere Umwelt- und SozialverbĂ€nde die Sprit-Entlastung kritisch bewertet. Die Wirtschaftsexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung sprach von einer falschen Antwort auf hohe Energiepreise: Die MaĂnahme sei nicht zielgenau, teuer und biete keine Anreize zum Spritsparen. Sie subventioniere fossile AbhĂ€ngigkeiten und sei ein âSchritt in die falsche Richtungâ fĂŒr den Klimaschutz, so Kemfert.
SteuerausfĂ€llen von bis zu 2,5 Milliarden Euro wĂ€ren in die Nah- und Regionalverkehre besser investiert, sagte Jan Görnemann, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands SchienenNahverkehr. Die Summe entspreche ungefĂ€hr einem Jahr Deutschlandticket.
Die Regierung hat die MaĂnahme jedoch auch gewĂ€hlt, um Menschen auf dem Land zu erreichen, wo es keine guten Alternativen zum Auto gibt.